Fingerhutstempel

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Einleitung

Ortsnamen in Blockschrift (Fingerhutstempel) Kleinere Form: 18-20 mm
Diese kleinen Einkreisstempel mit Ortsname nur in Blockschrift und dreizeiligem Datum (Tag, Monat und Jahr) - in Spezialsammlerkreisen auch unter dem Namen «Fingerhutstempel» bekannt, sind in den Details ausserordentlich abwechslungsreich und bilden daher ein beliebtes Sammelgebiet.

Die Variationen betreffen einmal die Stellung des dreizeiligen Datums. Monat und Jahrzahl entweder beide senkrecht oder beide schrĂ€g stehend, oder Monatsname schrĂ€g und Jahrzahl senkrecht oder umgekehrt. Ferner die Jahrzahl mit breiten oder sehlanken, fetten oder mageren Ziffern. Hin und wieder fehlt die Jahrzahl oder das Kreuz oder dann finden sich an Stelle des oder neben demselben andere Verzierungen oder nĂ€here Angaben ĂŒber die Lage des betreffenden Postortes (Postkreis, Kanton, Bezirk, Fluss, Berg usw.) oder postalische Vermerke (Distribution, Fahrpost usw.) Die Stempelfarbe ist meistens schwarz, selten blau und noch seltener rot, grĂŒn und violett. Diese Stempel kommen fast ausschliesslich auf Strubel und Sitzende Helvetia vor, ganz ausnahmsweise auch auf Rayons, und wenige sind auf Stehender Helvetia bekannt.


Die alte Einteilung

Die Gruppe 104 wurde in 5 Untergruppen geteilt. Diese weisen folgende Untersehiede auf:

  • 104 I unter dem Datum nur ein Kreuz
  • 104 II unter dem Datum weder Kreuz noch Inschrift
  • 104 lII unter dem Datum «schnauzartige» Verzierung
  • 104 IV unter dem Datum kein Kreuz, dafĂŒr eine Bezeichnung (Kanton. Postkreis usw.)
  • 104 V unter dem Datum Kreuz und zusĂ€tzliche Bezeichnung

Innerhalb dieser Untergruppen können 9 Typen unterschieden werden.

  • Tvpen 1-5 Monat schrĂ€g, Jahreszahl schrĂ€g, gerade, gross, klein, lang oder fehlend
  • Tvpen 6-9 Monat gerade, Jahreszahl schrĂ€g, gross, klein oder fehlend

Die Typenunterschiede sind fĂŒr alle 5 Gruppen gleich. Nachstehend die Typen der Gruppe 104 I und Beispiele der Gruppen 104 II und 104 III.

Besondere Beachtung verdienen die Belege nach Destinationen mit Fingerhut Stempeln.


Bewertung

Im Gegensatz zu anderen Stempelgruppen verstehen sich die Stempel auf Strubel fĂŒr die sogenannte "ZumsteinqualitĂ€t», das heisst fĂŒr StĂŒcke, deren farbige Randlinien an einer Stelle berĂŒhrt sind. StĂŒcke mit weissem Rand an allen 4 Seiten gelten etwa das 3-8fache. Die Preise auf Brief ohne Marke und fĂŒr den Stempel neben Marke sind, wenn nicht speziell aufgefĂŒhrt. etwa 5-20% der Preise auf Marke (der billigeren). Die selteneren Stempel auf der RĂŒckseite des Briefes können mit 5% des Stempels auf Marke bewertet werden.


Neue Einteilung der Typen nach einer Studie von Dietmar Grosse

Die Fingerhut-Stempel

Zu einem der faszinierendsten, weil vielseitigsten Sammelgebiete der Altschweiz-Philatelie gehören die sogenannten Fingerhut-Stempel (d.h. die Gruppe 104 nach der Klassifizierung von Andres und Emmenegger). Warum gerade dieses Gebiet einen solchen Reiz ausĂŒbt, dafĂŒr lassen sich eine ganze Reihe von GrĂŒnden finden. Zum einen wurden diese Stempel, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in kleineren Orten verwendet, so dass die Anzahl der nachgewiesenen Stempel zwar recht hoch ist, die Menge der erhalten gebliebenen Belege, verglichen mit denen aus den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten wie Basel, ZĂŒrich oder Genf, jedoch vergleichsweise gering. Des Weiteren lassen sich die Fingerhut-Stempel in verschiedene Gruppen bzw. Typen einteilen. Andres und Emmenegger unterscheiden nicht weniger als fĂŒnf Gruppen (104 I – V) und neun Typen, also ein weites Feld, in dem es noch viel Neues und Unbekanntes zu entdecken gibt.

FĂŒr mich persönlich ist auch der optische Reiz der Fingerhut-Stempel von einiger Bedeutung gewesen, als ich mich fĂŒr dieses Sammelgebiet entschieden habe. Verglichen mit einem durch eine mehr oder weniger fette Raute entwerteten Strubel liefert ein sauber auf der Marke platzierter Fingerhut-Stempel, der den Aufgabe-Ort deutlich erkennen lĂ€sst, ein wesentlich erfreulicheres Bild. Wenn der Stempel auch noch, wie ich es einmal in einem Katalog beschrieben gefunden habe, so zentrisch auf die Marke gesetzt wurde, wie es nur ein Tells Sohn schaffen konnte, dann wird der Anblick fast zur Ă€sthetischen Augenweide. WĂ€hrend meiner inzwischen ĂŒber 30jĂ€hrigen SammeltĂ€tigkeit habe ich nicht nur versucht, möglichst viele schöne Abstempelungen fĂŒr meine eigene Sammlung zu erwerben, sondern ich habe auch ein Archiv angelegt, in dem ich alle Belege mit Fingerhutstempeln, die ich in den Auktions- bzw. Verkaufskatalogen von Briefmarken-Auktions- und VersandhĂ€usern in der Schweiz und den angrenzenden LĂ€ndern finden konnte, ausgeschnitten und geordnet habe. Allein die auf Strubel belegten Stempel fĂŒllen 6 dicke Aktenordner, so dass ich meine Angaben zur HĂ€ufigkeit der einzelnen Stempel jederzeit nachweisen kann. Dank dieser Kenntnisse bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass die Aufstellung der Fingerhut-Stempel im AW von Andres und Emmenegger eigentlich einmal kritisch beleuchtet und auf den neuesten Stand gebracht werden mĂŒsste. Abgesehen von einigen orthographischen, alphabetischen und numerischen Fehlern, die korrigiert werden können, sollte man ĂŒberprĂŒfen, ob wirklich alle in der Auflistung unter Gr.104 aufgefĂŒhrten Stempel belegt sind und gegebenenfalls diejenigen streichen, fĂŒr die das nicht zutrifft. SelbstverstĂ€ndlich mĂŒsste die Liste auch um all die Stempel ergĂ€nzt werden, die sich inzwischen gefunden haben, aber bisher noch nicht registriert waren. Bei der ÜberprĂŒfung der im AW zusammengestellten Daten bin ich natĂŒrlich auf die Hilfe meiner geschĂ€tzten Sammlerkollegen angewiesen, in deren Sammlungen sicherlich viele Belege zu finden sind, die, da noch nie zum Verkauf angeboten, meiner Aufmerksamkeit bisher entgangen sind. Ich möchte sie bitten, ihre BestĂ€nde durchzusehen und mit der folgenden Aufstellung all der im AW aufgefĂŒhrten Fingerhut-Stempel zu vergleichen, fĂŒr die ich bisher noch keine Belege nachweisen konnte. Sollte der eine oder andere dabei fĂŒndig werden, so wĂ€re ich fĂŒr die Zusendung einer Fotokopie bzw, eines Scans des Beleges bzw. wenn dies nicht möglich, fĂŒr eine entsprechende Mitteilung unter Angabe des Ortes, des Datums und des Stempeltyps, sehr verbunden. (FĂŒr meine Post- bzw. Email-Adresse siehe unten.) Außerdem wĂ€re ich fĂŒr den Hinweis dankbar, auf welcher Ausgabe (Strubel, Sitzende Helvetia, usw. – bitte mit Zumstein-Nummer) sich der Stempel befindet oder ob er nur als Nebenstempel vorliegt. Gleichzeitig möchte ich meinen Sammlerkollegen gern noch eine zweite Liste vorlegen, auf der ich die „neuen“ Fingerhut-Stempel vermerkt habe, d.h. solche, die im AW nicht aufgefĂŒhrt sind. Sollten auch hier ErgĂ€nzungen nötig sein, so wĂŒrde ich auch dabei um entsprechende Mitteilung bitten. Problematisch wird allerdings wohl immer die numerische Auflistung nach dem Alphabet bleiben, denn es muss ja nur ein einziger neuer Stempel gefunden werden, schon stimmt die Reihenfolge nicht mehr und eine neuerliche Korrektur wĂ€re nötig.


Im ĂŒbrigen bin ich natĂŒrlich fĂŒr jeden Hinweis und jede Anregung dankbar, die mir helfen könnten, eine fundierte und möglichst umfassende Überarbeitung der im AW zum Thema Fingerhut-Stempel gemachten Angaben, dem heutigen Wissensstand entsprechend, vorzunehmen.

Zur Verteilung der Fingerhut-Stempel auf verschiedene Gruppen im AW

Zur Verteilung der Fingerhut-Stempel auf verschiedene Gruppen im AW

Das AW von Andres und Emmenegger unterscheidet die Stempel der Epoche nicht in erster Linie nach der GrĂ¶ĂŸe, sondern vielmehr nach Schriftart oder anderen, besonderen Gestaltungsmerkmalen. Das bedeutet, dass man die sogenannten Fingerhut-Stempel, d.h. Stempel mit einem Durchmesser von zwischen 19 und 20 mm in den Gruppen 101, 104, 105, 106, 110, 111, 113 und 114 wiederfindet. Angesichts der Tatsache, dass die Bezeichnung Fingerhut-Stempel, die sich nur nach der GrĂ¶ĂŸe richtet, in der Altschweiz-Philatelie zu einem festen Begriff geworden ist und das Interesse vieler Sammler geweckt hat, sollte man ĂŒber eine Modifizierung der im AW vorgenommenen Gruppeneinteilungen nachdenken.

So sollten meines Erachtens die in der Gr. 101 aufgefĂŒhrten Stempel in Fingerhut-GrĂ¶ĂŸe, die sich von anderen nur durch die Schriftart Elzevir im Ortsnamen unterscheiden, in die Gr. 104 aufgenommen werden, zumal Andres und Emmenegger wohl auch nicht immer konsequent die einzelnen Schriftarten getrennt haben, wie an den Stempeln FAOUG und VIÈGE ersichtlich,

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die da immer in Elzevir, eigentlich nur zur Gr.101 zu zĂ€hlen, aber auch unter Gruppe 104 I aufgefĂŒhrt sind. Bei den im AW unter Gr. 101 gelisteten Stempeln in Fingerhut-GrĂ¶ĂŸe handelt es sich um die folgenden Orte:

FAHRWANGEN (in schwarz + blau) 	        AADORF (in blau + schwarz)
FAOUG				        ALTNAU  (in blau + schwarz)
KREUZSTRASSE (in blau)		        BREMGARTEN
MONT DE BUTTES			        BRUGG
RHEINFELDEN (in schwarz + blau)	        BÜTSCHWYL (in schwarz + blau)
ROLLE				        FRAUENFELD (in schwarz + blau)	
RUE				        FRIBOURG DISTRIBUTION
SCHÖFTLAND (in schwarz + blau)	        KAPPEL
SCHÖNENWERDT				KILCHBERG
UNTERSTRASS (nicht im AW, aber Elz.)	KLOTEN
VIÈGE					KREUZSTRASSE (in schwarz)
YVERDON				        KÜSSNACHT

MELLINGEN (in blau) ORON RUPPERSWYL RUSSO SAFENWYL SCHAFFHAUSEN LE SENTIER SONZEBOZ UHWIESEN VICOSOPRANO WALD WETZIKON

Die rechts aufgelisteten Ortsstempel sind mir allerdings in Elzevir noch nicht vor Augen gekommen, deshalb wĂ€re ich auch hier allen Sammlern sehr verbunden, wenn sie mir anhand von Fotokopien ihrer Belege dokumentieren könnten, dass es diese Stempel wirklich in dieser Schriftart und in Fingerhut-Maßen gibt. Ortsstempel der Gr. 101 ohne GrĂ¶ĂŸenangabe im AW wurden nicht berĂŒcksichtigt, auch wenn es sie (in Blockschrift) in Fingerhut-GrĂ¶ĂŸe gibt (CHATAGNE, HÄGGLINGEN, HERMETSCHWEIL, MARTHALEN, MONTHEY, OTHMARSINGEN).


Die Unterteilung der Gr. 104 in die Untergruppen 104 I – V ist wegen der besonderen Charakteristika sinnvoll und sollte beibehalten werden, wenngleich die Untergruppen 104 IV + V eventuell auch zusammengelegt werden könnten. Die Gruppen 105 und 114 (Ortsname mit Zierlinie eingefasst und ebenfalls in dieser GrĂ¶ĂŸe) könnte man jedoch als Untergruppen I und II in der Gr.105 zusammenfassen


Entsprechend sollte auch der in den Gr. 101 + 106 erfasste frĂŒhe Stempel von ROLLE der Einfachheit halber der Gr. 104 I zugeordnet werden, denn er wurde von dem dort unter R 32 aufgefĂŒhrten abgelöst. Da er jedoch in zwei Varianten von der normalen Form abweicht, mĂŒsste er als Sonderform (SoFo) registriert werden


Normalform (Datum dreizeilig: Tag, Monat, Jahr)

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Ortsname in Elzevir, Monat nicht in Elzevir Verwendungszeit: von 1856 bis 1859

SoFo 1 (Datum dreizeilig: Tag, Monat+Jahr, Uhrzeit)

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Ortsname in Elzevir; Jahr neben Monat (auch in Elzevir), meist mit Uhrzeit. Verwendungszeit: von 1860 bis Dezember 1862; (bisher AW 106/16)

Sofo 2 (Datum dreizeilig: Tag, Monat, Jahr)

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Jahr Àhnlich neuem Typ 8, Monat (in Elzevir) nicht mittig. Verwendungszeit: ab Januar 1863


Auch die im AW unter der Gr. 101 registrierten Stempel KÖLLIKEN, ZOFINGEN und ZURZACH mit seitlichen Rauten, sowie AARBURG und STEIN mit seitlichen Sternen gehören wegen ihrer Fingerhut-GrĂ¶ĂŸe eigentlich (vielleicht als neue Untergruppe VI) zur Gr. 104.

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Zur Typeneinteilung der Gruppe 104 (Fingerhut-Stempel)

Typentafel aus dem Anderegg Stempel Katalog

Auch bei genauer Betrachtung erscheint die im Abstemplungswerk von Andres und Emmenegger vorgenommene Typeneinteilung der Gruppe 104 (siehe unten) als nicht unbedingt schlĂŒssig. Dort werden 9 Typen aufgefĂŒhrt: die Typen 1 – 5 mit schrĂ€g gestelltem, die Typen 6 – 9 mit aufrecht gestelltem Monat (in Elzevir) bei jeweils in Form und GrĂ¶ĂŸe unterschiedlicher Jahreszahl. Allerdings wurden einige Typen vergessen, andere wurden unter einem Typen zusammengefasst, obwohl sie sich deutlich von einander unterscheiden.

Im Zusammenhang mit eben dieser Typeneinteilung erhebt sich auch die Frage, ob man die Typen 5 und 9 im AW (d.h. die Stempel ohne Jahreszahl) ĂŒberhaupt als gesonderte Stempel anerkennen sollte. Sicherlich gibt es FĂ€lle, wo der Postbeamte, aus welchen GrĂŒnden auch immer, versĂ€umt hat, die Jahreszahl in den Stempel einsetzen. Dies konnte am Jahresbeginn geschehen, bis das Versehen zu irgendeinem Zeitpunkt entdeckt und korrigiert wurde. Dies bedeutet aber auch, dass ein Stempel ohne Jahreszahl mit der Monatsangabe November oder Dezember logischerweise ein ganzes Jahr so verwendet gewesen sein muss, denn warum sollte ein Postbeamter die einmal zu Jahresbeginn eingesetzte Jahreszahl wieder entfernen? Angesichts der allseits bekannten Korrektheit der Postbeamten jener Zeit sind meines Erachtens aus diesem Grunde alle Stempel der Typen 5 bzw. 9, mit Monatsangaben spĂ€ter als Februar mit einem großen Fragezeichen zu versehen. Oft erscheint wohl die Jahreszahl im Stempelbild nur deshalb nicht, weil der Druck auf dem Stempel beim Entwerten eher im oberen Bereich mit der Ortsangabe lag und sich deshalb der untere Bereich nicht deutlich genug abzeichnen konnte oder aber weil sich die Jahresangabe am meisten abnĂŒtzte, denn sie wurde ja wohl normalerweise ein ganzes Jahr lang nicht ausgewechselt.

Turbenthal

Wie an dem nebenstehenden Stempel von TURBENTHAL sichtbar, zeigen sich bei einem sonst gut ausgeprĂ€gten Stempelbild dann oft nur noch schwache Konturen der Jahresangabe. Anders als manche Auktionatoren, die in ihren Losbeschreibungen die fehlende Jahreszahl als wertsteigernd herausstellen, wĂŒrde ich diese Besonderheit eher als wertmindernd ansehen, zumal die fehlende Jahreszahl auch die genaue Typen- bestimmung unmöglich macht.

In jedem Fall verdienen es die Stempel ohne Jahresangabe meines Erachtens nicht, als eigenstĂ€ndige Typen erfasst zu werden, sonst mĂŒsste man logischerweise auch die sehr viel selteneren FĂ€lle, in denen die Tages- oder Monatsangabe im Stempelbild fehlt, entsprechend behandeln.

Angesichts der Tatsache, dass bei der Typeneinteilung ohnehin gewisse Korrekturen vorgenommen werden mĂŒssten, drĂ€ngt sich die Frage auf, ob man nicht die Typenabfolge, die im AW wohl eher willkĂŒrlich (möglicherweise auch nach der HĂ€ufigkeit) vorgenommen wurde, etwas logischer gestalten sollte. Dabei bietet sich in erster Linie eine Abfolge an, in der neben der Typenverwandtschaft auch die chronologische Verwendung der einzelnen Typen berĂŒcksichtigt werden sollte.


Der frĂŒheste Stempel in Fingerhut-GrĂ¶ĂŸe in meiner Kartei kommt aus NEFTENBACH, datiert vom 7 NOV 51 und gehört zur Gruppe 105 im AW. Das frĂŒheste Datum in der Gr.104 findet sich auf einem Beleg aus NEUMÜNSTER (Gr. 104 III) vom 13 DEC 52.

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Ab 1852 findet sich dieser frĂŒhe, im AW als Typ 8 (aufrecht gestellte Monatsangabe in Elzevir mit hohen Jahresziffern) registrierte Typ auch auf Stempeln der Gruppe 104, zunĂ€chst als Neben-Stempel, ab 1853 auch auf Rayon und ab 1855 auf Strubel. Dieser Typ sollte vernĂŒnftigerweise als neuer Typ 1 bezeichnet werden.

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Nach 1855 (bzw. 1856) wurden zwei verschiedene Typen gleichzeitig verwendet. Einige Orte behielten die aufrechte Monatsangabe in Elzevir bei, allerdings dann mit kleinerer schrĂ€g gestellter Jahreszahl (im AW Typ 6), andere (ĂŒbrigens die meisten) entschieden sich fĂŒr eine Monatsangabe mit schrĂ€g gestellter Schrift mit ebenfalls schrĂ€g gestellter Jahresangabe (im AW Typ 1). Diese beiden Typen wurden von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen bis spĂ€testens Ende 1860 verwendet.

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Da es sich bei dem erstgenannten Typ um die WeiterfĂŒhrung des Urtyps (neuer Typ 1) handelt, mĂŒĂŸte man ihn folgerichtig als neuen Typ 2 bezeichnen.

Aus GrĂŒnden der Übersichtlichkeit sollte man nun alle weiteren Varianten mit Monatsangabe in Elzevir als neue Typen 3 bis 5 fĂŒhren, auch wenn die chronologische Abfolge damit durchbrochen wird. Die parallel zu dem neuen Typ 2 eingefĂŒhrte Form mit schrĂ€g gestellter Monatsangabe (alter Typ 1) wĂ€re dann Typ 6 der neuen Einteilung.

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Ab 1860 kamen drei neue Typen zum Einsatz: In den meisten Orten, in denen die im AW als Typ 6 gefĂŒhrte Form im Gebrauch war, wurde sie von Typ 7, meinem neuen Typ 3 (aufrechte Monatsangabe in Elzevir mit großen, aufrechten Jahresziffern) abgelöst.

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Zum gleichen Zeitpunkt hat man auch in den meisten Orten, in denen Typ 1 in Gebrauch war, diesen durch Typ 2, meinem neuen Typ 7 (schrĂ€g gestellte Monatsangabe mit großen aufrechten Jahresziffern), ersetzt

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Eine kleinere Gruppe von Orten wĂ€hlte eine Monatsangabe in schrĂ€ger Schrift mit schmalen, hohen Jahresziffern (neuer Typ 8). Dieser Typ, im AW unter Typ 4 miterfasst, wurde in MESOCCO in 1859, in den anderen Orten ebenfalls ab 1860 eingefĂŒhrt und bis 1872 verwendet.

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Interessanterweise gibt es eine Reihe von Orten, wo diese Stempeltype nur im Jahr 1872 in Gebrauch war (z.B. BERINGEN, DACHSEN, ENTLEBUCH, FISCHINGEN, OBFELDEN, OSSINGEN, RUSSIKON). Manche Orte haben Typ 8 offenbar lediglich fĂŒr eine begrenzte Zeit verwendet (ERLEN nur im Juli und August 1863, COUVET nur in 1868).


Als neuer Typ 4 wĂŒrde dann der im AW vergessene Typ (aufrechte Monatsangabe in Elzevir mit kleinen aufrechten Jahresziffern wie bei altem Typ 3) aufzufĂŒhren sein. Dieser Typ ist bisher in 12 Orten (u.a. ALTNAU und FEUERTHALEN) jedoch nur auf Sitzender Helvetia in der Gr. 104 I bis 1869, in der Gr. 104 III („mit Schnauz“) bis 1874 belegt.

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Der neue Typ 5 wĂŒrde eine Variante bezeichnen, die den neuen Typ 4 nach 1874 ablöste und einen anderen Schrifttyp aufweist (siehe auch unten mein neuer Typ 10). Dieser Typ ist mir allerdings erst zweimal bei der Gr. 104 III (mit „Schnauz“) bei ST.MARTIN aus 1878 und UNDERVELIER aus 1875 aufgefallen.

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Anfang 1865 wurden, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, die großen Jahreszahlen der alten Typen 2 und 7 durch niedrigere (alter Typ 3) ersetzt.

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Dieser, ĂŒbrigens in Bezug auf die Anzahl der Orte hĂ€ufigste Typ, wĂ€re nach der neuen Einteilung der neue Typ 9. Er war bis Ende 1874 in Gebrauch. Danach Ă€ndert sich bei gleicher GrĂ¶ĂŸe der Schrifttyp der Jahresangabe. Die Ziffern erscheinen enger zusammengerĂŒckt und auch in der Form verschieden.

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Dieser Typ wurde von 1875 bis 1878 verwendet und mĂŒsste als neuer Typ 10 gefĂŒhrt werden.

Um die Typentafel nicht zu unĂŒbersichtlich werden zu lassen, empfiehlt es sich, alle Stempel ab 1879, die sich von den zuvor genutzten wiederum durch ihre GrĂ¶ĂŸe unterscheiden, in dem neuen Typ 11 zusammenzufassen. Zwar gibt es auch dabei noch kleinere Unterschiede (so sind die Ziffern in den Jahresangaben in einigen Orten ab 1880 etwas schmaler als die in 1879), doch bleibt zumindest die GrĂ¶ĂŸe gleich.

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Bei Andres und Emmenegger sind ĂŒbrigens die in meiner neuen Typentafel unter Typ 8 und 11 gelisteten Typen als Typ 4 zusammengefasst. Trotz gewisser Ähnlichkeiten (schlanke, aufrechte Ziffern) sollte man meines Erachtens diese beiden Varianten getrennt klassifizieren, da sie zu verschiedenen Zeiten verwendet wurden (Typ 8 von 1860 bis 1872, Typ 11 erst ab 1879).

Die Anzahl der Orte, in denen nach 1880 noch Fingerhut-Stempel verwendet wurden, ist ĂŒbrigens vergleichsweise gering. Sie kommen auf Sitzende Helvetia bis 1882 (NÄFELS), danach gelegentlich auf Wertziffer (auf weißem und auf Faserpapier) und ganz selten auf Stehender Helvetia vor. Auch ist die vereinzelte Verwendung auf Porto- und Telegraphenmarken belegt.


Letzttag der Figerhutstempel

Das spÀteste mir bekannte Datum eines Fingerhut-Stempels stammt aus ROMONT S/BIENNE und zwar der 30 DEC 89 auf Wertziffer.

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M. Francis Triponez erwĂ€hnt in seinem sehr interessanten Artikel ĂŒber die Fingerhut-Stempel im Kanton NeuchĂątel, erschienen in der SBZ 8/1990, sogar einen Stempel mit Datum 21 JUIL 90 aus JONCHÈRE. Die bisher spĂ€testen Verwendungen eines FH-Stempels, allerdings ohne Datumsblock, liegen mir aus den Jahren 1901, 1907 bzw. 1911 vor, wo der der Stempel BELLEVUE als Neben- Verwendung fand. Registriert sind 3 Postkarten frankiert mit WZ 5c. Die Daten 22 I 01, 12 I 07 bzw. 13 III 11 sind aus den beigesetzten Stempeln ersichtlich.


FĂŒr die wenigen Stempelformen, die sich von den von mir aufgelisteten 11 Grundtypen unterscheiden, wie z.B. ROLLE (Gr.106) sollte man, wie oben bereits erwĂ€hnt, der Einfachheit halber eine Rubrik Sonderformen (SoFo) einfĂŒhren.

Zusammenfassung der Typeneinteilung

Zur Verdeutlichung noch einmal ein Schema nach der chronologischen Verwendung der verschiedenen Fingerhut-Stempel-Typen (nach neuer Einteilung), wobei vereinzelte Abweichungen hinsichtlich der Verwendungszeit hier unberĂŒcksichtigt bleiben.

Gr. 104 I

Typ 1 (1852-56)
Typ 2 (1856-60)
Typ 6 (1855-60)
Typ 3 (1860-63)
Typ 7 (1860-64)
Typ 8 (1859-72)
Typ 4 (1865-70)
Typ 9 (1865-74)
Typ 5 (1875-78) nur Gr 1'4 III
Typ 10 (1875-78)
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Typ 11 (1879-89)

Gruppe 104 II

FĂŒr die Gr. 104 II (ohne Schweizer Kreuz) sind die (neuen) Typen 1 – 4, sowie 9 + 10;

Typ 1 (1853-55)
Typ 2 (1856-60)
Typ 3 (1860-63)
Typ 4 (1865-73)
Typ 9 (1867-74)
Typ 10 (1875-77)

Gruppe 104 III

fĂŒr die Gr. 104 III (mit „Schnauz“) die (neuen) Typen 1 – 5;

Typ 1 (1852-57)
Typ 2 (1856-60)
Typ 3 (1860-63)
Typ 4 (1865-74)
Typ 5 (1875-78)

Gruppe 104 IV

Postablage Winterthur (ohne Jahreszahl) 104 IV

fĂŒr die Gr. 104 IV die (neuen) Typen 1 – 4, sowie 6 – 9 und

Typ 1 (1853-55)
Typ 2 (1856-60)
Typ 3 (1860-63)
Typ 4 (1866-68)
Typ 6 (185?-60)
Typ 7 (1863-64)
Typ 8 (1866-70)
Typ 9 (1865-74)

Gruppe 104 V

fĂŒr die Gr. 104 V die (neuen) Typen 7 + 9

Typ 7 (1863-64)
Typ 9 (1865-74)

Gruppe 101

fĂŒr die Gr. 101 die (neuen) Typen 1 – 3 nachgewiesen, wobei die Stempel dieser Gruppe in Fingerhut-GrĂ¶ĂŸe, die sich nur durch die Schriftart (Elzevir) von der Gr. 104 I unterscheiden, hier nicht mehr berĂŒcksichtigt sind.

Typ 1 (1852-55)
Typ 2 (1856-60)
Typ 3 (1860-63)

GegenĂŒberstellung der alten und der neuen Typen

Ebenso zur Verdeutlichung hier noch eine parallele Aufstellung der neuen und der alten Typenfolge:

Monatsangabe aufrecht in Elzevir    neu:	
neu: Typ   1		 	    alt: Typ  8			 					  		 
      "    2 			 	  "   6
      "    3			 	  "   7  				  	 
      "    4		             	  "   -	  				   	 
      "    5			  	  "   -
Monatsangabe schrÀg		   
neu: Typ  6			    alt:  "   1  
      "   7			  	  "   2  
      "   8			  	  "   4  
      "   9			  	  "   3   	  
      "  10			  	  "   -					  
      "  11

(Die alten Typen 5 + 9 – ohne Jahr – entfallen)


Zu den Typenwechseln bei den Fingerhutstempeln der Gr. 104

In vielen Orten kam es im Laufe der Jahre zwischen 1852 und 1890 zu ein oder mehreren Stempeltypwechseln, wobei sich die im Weiteren erwĂ€hnten Typenzahlen alle auf die neuen Typen beziehen. Der Zeitpunkt, an dem in den einzelnen Orten ein neuer Stempeltyp eingefĂŒhrt wurde, scheint bei einigen Typen in der Regel der jeweilige Jahreswechsel gewesen zu sein. So kommt der sehr hĂ€ufige Typ 7 nicht vor dem 1.1.60, der noch hĂ€ufigere Typ 9 nicht vor dem 1.1.65 vor. (Es gibt allerdings bei Typ 9 einige unklare FĂ€lle, in denen die Jahreszahl 65 beinahe wie eine 63 aussieht). Auch die Typen 10 (ab 1875) und 11 (ab 1879) wurden wohl jeweils zu Jahresbeginn in Gebrauch genommen. Die Umstellung von einem Typ zu einem anderen war dennoch offensichtlich keine landesweite, konzertierte Aktion, denn sie erfolgte in einer ganzen Reihe von Orten zu durchaus unterschiedlichen Terminen, in einigen FĂ€llen wie die unten aufgefĂŒhrten Beispiele zeigen, sogar mitten im Jahr. In einigen Orten mit Ortsnamen zuerst in Elzevir (im AW Gr. 101) wurden spĂ€ter Stempel mit Ortsname in Normalschrift eingefĂŒhrt und zwar zu völlig verschiedenen Zeitpunkten, z.B. in RHEINFELDEN in 1860 oder in FAHRWANGEN erst in 1865.

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In anderen Orten kam es zu einem Wechsel innerhalb der Gr. 104 und zwar von Gr. 104 II (ohne Schweizer Kreuz unten) zu Gr. 104 I, wie z.B

  • in DOMBRESSON von
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  • in FONTAINEMELON von
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oder von Gr. 104 III (mit „Schnauz“) zu Gr. 104 I, z.B.

  • in SINS
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bzw. von Gr. 105 (Ortsname mit Zierlinie eingefasst) zu Gr. 104 I

  • in NEFTENBACH
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oder

  • in BÜNZEN
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Interessant ist auch der Wechsel, der sich in KREUZSTRASSE vollzog. Dort wurde Typ 1 (1855) in Elzevir in blau vom Typ 6 (1859) in schwarz abgelöst, d.h. es kam nicht nur zu einem Wechsel des Schrifttyps sondern auch der Farbe. (Im AW ist zwar auch ein Stempel KREUZSTRASSE in Elzevir in schwarz vermerkt, allerdings hat mir bisher noch kein Beleg vorgelegen.)

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In einigen FĂ€llen scheint der neue Typ sogar mitten im Jahr eingefĂŒhrt worden zu sein. Dies gilt z.B. fĂŒr einen Wechsel von Typ 2 zu Typ 6 in STEIN A/RH. FĂŒr Typ 2 ist der 21 AVRIL 58, fĂŒr Typ 6 der 4 OCT 58 belegt.

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In DIETIKON fand der Wechsel von Typ 3 zu Typ 7 offenbar erst zwischen dem 11 MAI und dem 19 NOV 1861 statt.

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In EGLISAU, HAUSEN und wahrscheinlich auch in KILCHBERG wurde Typ 3 wohl nur im Januar 1860 verwendet, danach kam es zur Umstellung auf Typ 7.

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In TÄGERWEILEN wurde der Wechsel von Typ 3 zu Typ 7 erst zwischen dem 12 SEPT 63 und dem 31 OCT 63 vollzogen.

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Belegt ist der Wechsel innerhalb des Jahres 1860 von Typ 6 zu Typ 7 z.B. in AFFOLTERN A/A.

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In AU wurde irgendwann nach dem 11 MAI 61 und vor dem 8 JULI 61 der Typ 8 durch Typ 7 ersetzt.

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Belege fĂŒr eine Umstellung des Stempeltyps mitten im Jahr sind auch beim Wechsel aus der Gr. 104 II, 104 III und 105 zur Gr. 104 I zu finden.

In der Gr. 104 II (ohne Schweizer Kreuz) geschah dies offenbar

  • in POSCHIAVO in 1860
von Typ 2
zu Typ 7
  • in LES BOIS in 1861
!
von Typ 3
zu Typ 7
  • in OENSINGEN in 1867
!
von Typ 4
zu Typ 9

in der Gr. 104 III (mit „Schnauz“)

  • in WOHLEN in 1855
von Typ 1
zu Typ 6
  • in MURI in 1861
!
von Typ 3
zu Typ 7
  • in DÜRRMÜHLE in 1862
!
von Typ 3
zu Typ 7

in der Gr. 105 (Ortsname mit Zierlinie)

  • in TAVERNE in 1867
von Typ 4
zu Typ 9

In LAUFENBURG wurde ein Stempeltyp sogar nur vorĂŒbergehend von einem anderen ersetzt. Dort war Typ 7 von Anfang 1860 bis mindestens Mai 1862 in Gebrauch, zwischen August und Dezember 1862 finden sich nur Belege mit Typ 8, in 1863 jedoch scheint man wieder auf Typ 7 zurĂŒckgegriffen haben.

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Interessanterweise wurden in einigen wenigen Orten gleichzeitig verschiedene Stempeltypen verwendet, in der Gr. 104 I z.B.

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in ERLEN Typ 6 und Typ 7 in 1860, sowie Typ 7 und Typ 8 in 1861 und 1862;

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in BADEN Typ 7 und Typ 8 in 1861 und 1862;

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oder in ST.GALLEN Typ 7 und Typ 8 in 1861;

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Bei einigen Stempeln zeigen sich gleichzeitig mit einem Typenwechsel auch orthographische Änderungen:

  • CHÉSARD (Gr. 104 II) wurde zu CHÉZARD (Gr. 104 I)
Typ 4
Typ 9
  • FRICK (Gr. 104 III)wurde zu FRIK (Gr. 104 I)
Typ 2
Typ 7
  • LA CIBOURG (Gr. 104 III) wurde zu CIBOURG (Gr. 104 I)
Typ 3
Typ 9

Diese Beispiele zeigen, dass die „FingerhĂŒetli“ dem Sammler immer wieder Überraschungen bereiten können, zumal man natĂŒrlich nicht mit Sicherheit sagen kann, ob in den Orten, in denen es zu einem Wechsel des Stempeltyps kam, wirklich ein Typ von einem anderen abgelöst wurde oder ob nicht vielleicht fĂŒr einige Zeit zwei Typen in Gebrauch waren. In jedem Fall macht gerade das Fehlen fester GesetzmĂ€ĂŸigkeiten wohl den besonderen Reiz dieses Sammelgebietes aus und lĂ€dt zu weiteren Nachforschungen ein. Zu erwĂ€hnen wĂ€re in diesem Zusammenhang noch, dass der neue Typ 9 (alter Typ 3) im AW als vielfach auch auf Strubel vorkommend aufgelistet und bewertet wird. TatsĂ€chlich scheint aber dieser Stempeltyp erst 1865 eingefĂŒhrt worden zu sein, d.h. nach Ablauf der GĂŒltigkeit fĂŒr Strubel. Entsprechend sind mir, bisher von zwei Ausnahmen abgesehen, auch nur Sitzende Helvetia mit diesem Typ vor Augen gekommen. Bei den beiden Ausnahmen handelt es sich um eine Zst.- Nr. 21 G mit  DIESBACH vom 27 MAI 67 und eine Nr. 23 G mit  MURI b/BERN, vom 10 SEPT 73, abgebildet in Postgeschichte Nr.58, 6/94. Beide Stempel wurden eindeutig nach GĂŒltigkeitsablauf der Strubel-Marken verwendet und widersprechen damit nicht meiner These, dass der neue Typ 9 (alter Typ 3) auf Strubel eigentlich nicht vorkommen kann.

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Fingerhut-Stempel-Besonderheiten

Jeder Sammler wird bestĂ€tigen, dass es oft die Besonderheiten sind, die eine Sammlung interessant gestalten und dadurch aufwerten. Bei den Fingerhut-Stempeln kann dies zum Beispiel die Seltenheit oder auch eine nicht hĂ€ufige farbige Variante eines Stempels sein. Andere Besonderheiten können sich aus der speziell in der Strubel- und Sitzenden Helvetia-Zeit hĂ€ufigen Doppelentwertung von Marken mit verschiedenen Stempeln ergeben. In den meisten FĂ€llen handelt sich dabei um die Kombination eines Rund- und eines Stabstempels. Bei den Fingerhut-Stempeln sind die folgenden Stempelkombinationen besonders zahlreich: FH TÄGERWEILEN + EMMISHOFEN (Gr.30) in schwarz + blau; FH SCHÖFTLAND + STAFFELBACH (Gr.40); FH WILDEGG + HOLDERBANK (Gr.40) in schwarz + rot; FH BÜRGLEN + NEUKIRCH a/TH (Gr.39). Auch die FH LANDQUART, KREUZLINGEN, LENZBURG, MELLINGEN + WEINFELDEN werden oft kombiniert mit Stabstempeln der Gr. 30, 39 + 40.

Nr. 24G LANDQUART 9.Jan 63 (Typ 8) + IENAZ (Gr. 30/M26)
Nr. 22D WINFELDEN 8.MĂ€rz 59 (Typ 6) + MÄRSTETTEN (Gr. 30/M26)

Kombinationen von Fingerhut-Stempeln mit Rauten, PD-, PP-, Franco- oder Chargé-Stempeln

Sehr viel seltener sind Kombinationen von Fingerhut-Stempeln mit Rauten, PD-, PP-, Franco- oder Chargé-Stempeln.

Nr. 25B MÜNCHWEILEN 9.JAN. 56 (Typ 2) + Raute
Nr. 23 A DOMBRESSON AVRIL 55 (Typ 1) + schwarzer Punktstempel unbekannter Herkunft
Nr.41 ALTNAU 5.JAN. 70 (Typ 9) + PD (Gr. 13/365)
Nr. 28 + Nr. 31 KLINGNAU 22 NOV (oJ) + Franko (Gr. 15/430)
Nr. 24 G BISCHOFFZELL 20 OCT ? (Typ 6?) + ChargĂ© (Gr. 19/AS-687)

Wie selten solche Belege offenbar sind, verrĂ€t mir ein Blick in meine Kartei. Dort sind fĂŒr die Kombination FH-Stempel + Raute auf Strubel in der Gr. 104 I 8 Belege, in der Gr. 104 II 3 und in der Gr. 104 III 1 Beleg registriert. FĂŒr die Kombination FH-Stempel + PD sind es auf Strubel 7, auf Sitzende Helvetia 5 Belege. Die Kombination FH-Stempel + PP liegt je einmal in der Gr. 104 II und in der Gr. 104 III vor. FH-Stempel + Franco/Franko finden sich 2x auf Strubel und 1x auf Sitzende Helvetia. Auch wenn sicherlich noch weitere Belege mit diesen Kombinationen existieren, die meiner Registrierung bisher entgangen sind, kann man dennoch vermuten, dass ihre Zahl nicht sehr hoch sein dĂŒrfte.


In meiner Kartei bisher einmalig und damit eine große Seltenheit stellt die Dreifachentwertung einer Nr. 24 A mit FH LAWIN, Stabstempel FETTAN in graublau (Gr.30/F 14) und eidgenössischer Raute dar.

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Stempelbesonderheiten im Datumsblock

Eine weitere reichhaltige Quelle von Stempelbesonderheiten findet sich vor allem im Datumsblock der Fingerhut-Stempel. Da das Datum zwangslĂ€ufig regelmĂ€ĂŸig geĂ€ndert werden musste, konnte den Postbeamten eine ganze Reihe von verschiedenen Versehen unterlaufen.

Er konnte z.B. den Monat kopfstehend einsetzen, wie hier Monat JAN + APR. kopfstehend

14 JAN 61 (Typ 7)
7 APR. 63 (Typ 7)

oder er konnte das Jahr kopfstehend einsetzen, wie hier 60 - kopfstehend und die 2 von 72 kopfstehend

29 NOV 60 (Typ 6)
16 MARS 72 (Typ 9)

Der ganze Datumsblock wurde manchmal verdreht oder auch kopfstehend eingesetzt.

Typ 7
Typ 4
Typ 6
Typ 7
leicht oder stark verdreht     oder auch    vollstÀndig kopfstehend eingesetzt.
In VILLMERGEN scheint das letztere ĂŒber die Jahre öfters passiert sein (hier in 1858 + 1862)


Fehlende Inhalte wie Tag Monat oder Jahr

Neben dem sehr hÀufigen Fall, wo im Stempel die Jahresangabe fehlt, gibt es auch sehr viel seltenere Beispiele,

  • wo der Tag,
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  • wo der Tag und das Jahr,.
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  • wo der Monat
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  • oder das ganze Datum ausgefallen sind.
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umgedrehte Tagesangabe

Sehr interessant und besonders, weil sehr selten, sind die FĂ€lle, wo statt der Jahresangabe versehentlich eine zweite, umgedrehte Tagesangabe eingesetzt wurde.

ST GINGOLPH 30 (Monat?) 29 (kopfstehend)
WEINFELDEN 18 AUG. 19 (kopfstehend)
  • die 2. Tagesangabe kopfstehend + Datumsblock verdreht
BOUJEAN 29 JUIN 30
REIDEN 24 SEPT 21


  • die 2. Tagesangabe kopfstehend
UNTER-KULM 1 NOV 30
SRAFFELBACH 28 FEB 28

Jahresangabe nur aus einer Ziffer

Um eine ganz andere Art der Stempelbesonderheit handelt es sich in den folgenden FĂ€llen. In den Fingerhutstempeln von 3 Orten findet sich statt einer Jahresangabe nur die Ziffer 6 und zwar:

  • in BADEN
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  • in BRISSAGO
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  • und in REMIGEN
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In BADEN findet sich diese Besonderheit nur im Monat Juni, was vielleicht darauf hinweist, dass die 6 den 6. Monat angeben soll, zumal auch einige Belege mit der Ziffer 5 aus dem Monat Mai vorliegen, wobei die 5 seltsamerweise umgedreht ist.

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Bei dem Stempel REKINGEN, der mir bisher nur zweimal, einmal in schwarz und einmal in blau bekannt ist, zeigt sich das gleiche PhÀnomen. Diesmal findet sich statt einer Jahreszahl nur die Ziffer 9.

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Da in all diesen FĂ€llen die einzelne Ziffer mittig positioniert ist, kann es sich eigentlich nicht um einen Fehler beim Einsetzen der Jahresangabe handeln. Eine wirklich schlĂŒssige ErklĂ€rung fĂŒr diese Stempelbesonderheit kann ich leider nicht anbieten. Es wĂ€re schön, wenn mir der eine oder andere Sammler dabei weiterhelfen könnte.


Sonderformen

Bei der großen Anzahl der Fingerhutstempel kann es nicht verwundern, dass es auch einige Stempel gibt, die nach ihrer Form nicht genau den von mir definierten 11 Stempeltypen entsprechen. Was ĂŒberrascht ist eher, dass es so wenige sind. Streng genommen handelt es sich bei diesen FĂ€llen auch um Stempelbesonderheiten, die ich jedoch, weil sich die Abweichung von der Norm nicht nur auf wenige Belege beschrĂ€nkt, sondern fĂŒr diese Orte allgemein gilt, unter der Rubrik SoFo (= Sonderform) registriert habe.


Im Fall von ENTLEBUCH besteht die Besonderheit in der Schreibweise des Monats, der immer schrÀg gestellt in Elzevir vorliegt.

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Auch bei ETTISWYL gibt es die Monatsangabe in Elzevir, allerdings interessanterweise nur von Januar bis MĂ€rz 1869.

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Bei EBNAT entspricht die Jahreszahl 58 nicht der Form von Typ 6 (AW Typ 1), da aufrecht und nicht schrĂ€g gestellt und zu klein fĂŒr Typ 8 (AW Typ 4).

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Bei KRIEGSTETTEN ist die Jahreszahl schmaler als Typ 7 (AW Typ 2) und grĂ¶ĂŸer als Typ 8

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Auch den Stempel ROLLE, im AW unter Gr. 106 gelistet, habe ich wegen seiner Fingerhut-GrĂ¶ĂŸe als Sonderform registriert. Er liegt in 2 Typen in Elzevir vor. Bei Typ 1 ist die Jahreszahl neben der Monatsangabe positioniert. In der 3. Zeile wird zusĂ€tzlich die Tageszeit angegeben.

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Bei Typ 2 wird auf die Angabe der Tageszeit verzichtet und die Jahresangabe rutscht in die 3. Zeile. Die Monatsangabe ist jedoch nicht mittig gestellt, so dass sie unsymmetrisch erscheint.

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Typ 1 war von 1860 bis 1862 im Einsatz, Typ 2 ab 1863.


Vermutlich gibt es noch viele andere Stempelbesonderheiten, die in ihrer Form den beschriebenen mehr oder weniger Ă€hneln oder vielleicht auch welche ganz anderer Art. In jedem Fall freue ich mich immer, wenn ich auf etwas Neues stoße, auch wenn ich die entsprechenden Belege nicht selbst erwerben kann. Es ist einfach die Freude am Entdecken. Deshalb bin ich auch fĂŒr jeden Hinweis dankbar, der meine Kenntnisse zum Thema FINGERHUT-STEMPEL-BESONDERHEITEN vertiefen könnte.

Zur Bewertung der einzelnen FH-Stempel

Der bei allen Sammelgebieten anerkannte Grundsatz, dass v. a. die Seltenheit des Sammelobjektes den Wert bestimmt, gilt natĂŒrlich auch fĂŒr die Fingerhut-Stempel. Allerdings macht die KomplexitĂ€t des gesamten Bereiches eine differenzierte Bewertung fast unmöglich. So kann ein Stempel auf bestimmten Wertstufen der Strubel- bzw. Sitzende Helvetia-Ausgaben sehr hĂ€ufig, auf anderen sehr selten sein. Entsprechend ist die Anzahl der erhaltenen Belege der Zst.-Nr. 21, 26, 27, 29, 35-37 und 39 ff. mit FH-Stempeln natĂŒrlich sehr viel geringer als die der hĂ€ufiger verwendeten Wertstufen. Deshalb mĂŒsste die Bewertung eigentlich gestaffelt sein, aber wer kann schon bei mehr als 20 Wertstufen, unter gleichzeitiger BerĂŒcksichtigung der verschiedenen SeidenfĂ€den und Papiersorten sowie (nach meiner neuen Klassifizierung) 11 Stempeltypen eine einigermaßen vernĂŒnftige und faire Bewertung der einzelnen Stempel vornehmen?

Zwar habe ich mir aus Spaß an der Sache gerade eben diese Aufgabe gestellt, so dass ich tatsĂ€chlich das Vorkommen jeder FH-Stempeltype auf jeder Wertstufe nachweisen kann, aber da ja immer neue Belege auftauchen, ist jede Auflistung immer nur eine Dokumentation meines augenblicklichen Wissensstandes.

Es ist deshalb gut, dass es, wie in allen anderen Sammelgebieten auch, in der Philatelie den Begriff des Liebhaberwertes gibt. Damit bleibt es jedem Sammler ĂŒberlassen, welchen Wert er dem einzelnen Beleg beimessen möchte.

Andres und Emmenegger haben sich im AW bemĂŒht, eine Punktbewertung der einzelnen FH-Stempel, nach Vorkommen auf Strubel und Sitzende Helvetia getrennt, vorzunehmen. Bei genauer Betrachtung und vor allem grĂŒndlicher Konsultierung meines Archivs, in dem ich in den letzten 36 Jahren alle fĂŒr mich erreichbaren Belege mit FH-Stempeln gesammelt habe, erscheint die Bewertung reichlich undifferenziert und dem tatsĂ€chlichen Vorkommen wenig entsprechend. Obwohl ich nicht weiß, wie die Autoren des AW den Seltenheitsgrad der einzelnen Stempel, der ja wohl die Basis fĂŒr Ihre Punktbewertung bildete, ermittelt haben, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man dabei völlig willkĂŒrlich vorgegangen ist.

Zwei Beispiele mögen hier genĂŒgen, um die Vielzahl der Ungereimtheiten im AW aufzuzeigen. So wird der (alte) Typ 1 von RUPPERSWYL mit 40 P., der (alte) Typ 1 von ROLLE hingegen mit 50 P. bedacht. RUPPERSWYL ist in meiner Kartei nur 7x vertreten und daher als selten einzustufen, ROLLE ist hingegen mehr als 70x belegt und rechtfertigt damit keinesfalls die höhere Bewertung. Noch unverstĂ€ndlicher erscheint die Einstufung des blauen Stempels UHWIESEN. Obwohl er mit mehr als 80 Belegen zu den hĂ€ufigsten FingerhĂŒten gehört, wird er mit 80 P. fĂŒr den (alten) Typ 1 und sogar 90 P. fĂŒr den (alten) Typ 2 gelistet und damit mehr als doppelt so hoch als z.B. SCHMERIKON (35 P.), der mir nur 9x vorliegt. Selbst auf Sitzende Helvetia wird der sehr hĂ€ufige blaue UHWIESEN noch mit 15 P., der gleich lautende schwarze hingegen nur mit 10 P. angesetzt, obwohl ich diese schwarze Variante bisher nur einmal nachweisen kann.

Auch die fast durchgehend wesentlich höhere Bewertung von FH-Stempeln auf Strubel im Gegensatz zu den auf Sitzende Helvetia verwendeten kann sich eigentlich nicht am Seltenheitsgrad orientiert haben, denn gerade unter den mehr als 600 Stempeln des (alten) Typs 3 (meines neuer Typs 9) gibt es eine große Zahl von kleinen Poststellen mit so geringem Postverkehr, dass diese Stempel zwangslĂ€ufig sehr selten sind und damit entsprechend hoch bewertet werden mĂŒssten. Aus diesem Grund können die im AW fĂŒr die einzelnen Stempel angegebenen Punkte meines Erachtens nur selten als wirkliche Orientierungshilfe fĂŒr die HĂ€ufigkeit eines Stempels dienen.

Da es jedoch fĂŒr jeden Sammler, auch wenn er sich nicht mit der gleichen IntensitĂ€t wie der meinen mit diesem Gebiet befassen kann oder mag, von Interesse ist, welche Stempel nun tatsĂ€chlich selten sind, könnte man vielleicht statt einer Punktbewertung den in der Philatelie gĂ€ngigen Begriff der RaritĂ€t, ausgedrĂŒckt je nach Grad der Seltenheit durch die Buchstaben R, RR oder RRR, auch hier zur Anwendung bringen. Um eine etwas grĂ¶ĂŸere Differenzierung zu erreichen, unterscheide ich in meiner Kartei zwischen

R5  -  der Stempel ist bisher nur 1x belegt
R4  -   „    „      „    „     „  2 – 4x belegt
R3  -   „    „      „    „     „  5 – 9x     „    
R2  -   „    „      „    „    10 – 19x   „
R1  -   „    „      „    „    20 – 29x   „

Bei dieser numerischen Festlegung ist mir durchaus bewusst, dass das Vorkommen eines bestimmten Stempels auf 30 bis 50 Belegen eigentlich immer noch das PrĂ€dikat selten verdient, aber ich denke eine etwas restriktivere Verwendung des Seltenheitsbegriffs kommt der Bedeutung wirklicher RaritĂ€ten zu gute. In jedem Fall ist meine Freude immer sehr groß, wenn ich einen Beleg erwerben kann, den ich mit dem „Seltenheitsvermerk“ R3, R4 oder sogar R5 in meine Sammlung einfĂŒgen kann.

Bei der Feststellung der Seltenheit eines Stempels könnte man ĂŒbrigens durchaus die einzelnen Stempeltypen getrennt auffĂŒhren, da fĂŒr die Mehrzahl aller Orte nicht mehr als zwei verschiedene belegt und damit eine solche Aufstellung noch in ĂŒberschaubaren Rahmen bliebe. Interessant ist in diesem Zusammenhang ĂŒbrigens die Tatsache, dass nur 3 meiner 11 Typen sowohl auf Strubel als auch auf Sitzende Helvetia vorkommen. Dies sind der (alte) Typ 7 (mein neuer Typ 3), der (alte) Typ 2 (mein neuer Typ 7) und der (alte) Typ 4 (mein neuer Typ 8).

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Die beiden zuerst genannten, mit großer, dicker Jahreszahl, einmal mit aufrechter Monatsangabe in Französisch in Elzevir (neuer Typ 3) und mit schrĂ€ger Monatsangabe in Deutsch oder Französisch (neuer Typ 7) waren auf Strubel (frĂŒhestens) von Januar 1860 bis (maximal) Juli 1863 in Gebrauch. Auf Sitzender Helvetia wurden die Stempel von (frĂŒhestens) Oktober 1862 bis (spĂ€testens) Dezember 1864 verwendet. Das bedeutet, dass diese beiden Stempel auf Sitzender Helvetia etwas rarer sein mĂŒssten als auf Strubel, denn sie waren 3 Monate weniger in Gebrauch. Bei dem (alten) Typ 4 sieht die Sache etwas anders aus. Im AW sind unter diesem Typ mein Typ 8 (Verwendungszeit 1859 – 1872) und mein Typ 11 (1879 – 1889) zusammengefasst. Hier beziehe ich mich natĂŒrlich nur auf meinen Typ 8.

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Da dieser Typ auf Strubel fast 4 Jahre (1859 – 10/1863) und auf Sitzender Helvetia sogar etwas mehr als 9 Jahre (10/1862 – 1872) Verwendung fand, ist sein Vorkommen auf beiden Ausgaben durchaus hĂ€ufig, allerdings ist die Anzahl der Ortschaften, in denen man sich fĂŒr diesen Typ entschied, vergleichsweise klein. (vgl. dazu auch meine AusfĂŒhrungen zur Typeneinteilung der Gr. 104 in PG Nr.136 – Dez.13).

== Anzahl der Fingerhut-Stempel in der Gr. 104 == (Teil 7) NatĂŒrlich ist die Frage, wie viele Fingerhutstempel es eigentlich gibt, von nur geringem postgeschichtlichem Interesse, zumal man entscheiden muss, auf welche Zahlen man dabei zurĂŒckgreifen möchte.

Will man nur herausfinden, in wie vielen Orten Stempel in der GrĂ¶ĂŸe von 19-20 mm Durchmesser Verwendung fanden (A)? Sollen auch alle Stempel-Varianten dazugezĂ€hlt werden (B)? Oder will man auch die von mir unterschiedenen 11 Stempeltypen berĂŒcksichtigen (C)? Aus Interesse an meinem Sammelgebiet habe ich trotzdem einmal die entsprechenden Zahlen ermittelt, wobei ich nur die Stempel einbeziehe, fĂŒr die mir in den letzten 37 Jahren Belege vorgelegen habe. Diese Zahlen Ă€ndern sich natĂŒrlich dauernd, weil ich immer wieder neue Stempel oder Stempeltypen entdecke.

A. Anzahl der Orte, in denen Fingerhut-Stempel im Einsatz waren

Bei dieser Anzahl bleiben alle farbigen, orthographischen und sonstigen Varianten sowie die Varianten in Elzevir unberĂŒcksichtigt. Auch wurden die Orte, die im AW in mehreren Untergruppen der Gr. 104 aufgefĂŒhrt sind, nur einmal gelistet.

Die Gesamtzahl belÀuft sich auf 691 Orte, davon entfallen auf die
Gr. 104 I          662 Stempel
Gr. 104 II          12    „
Gr. 104 III          7    „
Gr. 104 IV           8    „
Gr. 104 V            2    „

B. Anzahl der Fingerhut-Stempel mit allen Varianten

Hier sind alle farbigen, orthographischen und sonstigen Varianten, auch die in Elzevir (im AW gesondert in der Gr.101 gelistet) einbezogen.

Nicht berĂŒcksichtigt sind die insgesamt 11 unterschiedlichen Stempeltypen.

Die Gesamtzahl belÀuft sich auf 886 verschiedene Stempel, davon entfallen auf die
Gr. 104 I          810 Stempel
Gr. 104 II          30    „
Gr. 104 III         23    „
Gr. 104 IV          17    „
Gr. 104 V            6    „


C. Anzahl der Fingerhut-Stempel nach Typen geordnet

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Die große Diskrepanz zwischen der Anzahl der Fingerhut-Stempel inklusive Varianten (886) und ihrer Anzahl, wenn man die 11 Typen berĂŒcksichtigt (1682), ergibt sich aus der Tatsache, dass es von den einzelnen Ortsstempeln bis zu 6 Typen gibt, wie die folgende Aufstellung zeigt.

In 19 Orten wurden im Laufe der Zeit 5 verschiedene Stempeltypen eingesetzt.

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In 5 Orten waren es sogar 6.

Tabelle-Fingerhut01.png

Aber natĂŒrlich findet man auch zahlreiche Ortsstempel, die nur in einem einzigen Typ vorkommen. Dies gilt fĂŒr Strubel vor allem fĂŒr die Jahre 1862/63 mit Typ 7 (AW-Typ 2) und noch mehr fĂŒr Sitzende Helvetia nach 1865 mit Typ 9 (AW-Typ 3).

Schlussbetrachtung

Nachdem ich nun die mir fĂŒr das Sammelgebiet Fingerhut-Stempel der Gr. 104 am interessantesten erscheinenden Aspekte aus meiner Sicht erörtert habe, möchte ich mich sehr herzlich bei all den Sammler-Kollegen bedanken, die meine AusfĂŒhrungen kommentiert und mich, indem sie mir teilweise Einblick in ihre eigene Fingerhutstempel-Sammlung gewĂ€hrten, ĂŒber die Existenz von einer ganzen Reihe von mir bisher unbekannten Stempeln informiert haben. Ich muss gestehen, dass das Echo auf meine VorschlĂ€ge eine neue Typeneinteilung betreffend eher zurĂŒckhaltend war, wohl vor allem deshalb, weil sich mein System ziemlich deutlich von dem im Abstemplungswerk von Andres und Emmenegger eingefĂŒhrten unterscheidet und damit auf den ersten Blick recht kompliziert erscheint. VerstĂ€ndlicherweise empfinde ich dies nicht so, einmal weil es in meinen Augen um einiges logischer als das bisherige ist und zum anderen weil es eine genauere Differenzierung der einzelnen Typen ermöglicht. Aber natĂŒrlich braucht es auch einige Zeit, bis man sich damit vertraut gemacht hat. Ich hoffe sehr, dass auch nach Abschluss meiner kleinen Artikelserie der Kontakt zu anderen Stempelsammlern aufrecht erhalten werden kann, und ich bin natĂŒrlich auch weiterhin jederzeit bereit, nach meinem augenblicklichen Wissensstand Auskunft z.B. zur Seltenheit eines bestimmten Stempels zu geben. Abschließend möchte ich noch einen ganz anderen Aspekt zur Sprache bringen, der mir sehr am Herzen liegt. Irgendwann in den nĂ€chsten Jahren werde ich aus AltersgrĂŒnden (ich bin inzwischen 73) meine „Forschungen“ im Gebiet der Fingerhutstempel reduzieren oder sogar ganz einstellen mĂŒssen, dann wĂ€re ich sehr froh, wenn ich meine Kartei, in der ich in den letzten 37 Jahren alle Belege dieser Stempelart gesammelt habe, die mir vor Augen gekommen sind, an jemand ĂŒbergeben könnte, der sich mir der gleichen Begeisterung wie ich diesem Sammelgebiet widmen möchte. Es wĂ€re doch zu schade, wenn alle meine Unterlagen in den Papierkorb wandern wĂŒrden. Wenn sich also ein (jĂŒngerer) Sammler, vielleicht jemand, der der Ansicht ist, dass die FingerhĂŒtli eigentlich als ur-Schweizer Kulturgut betrachtet werden sollten und damit sowieso eher in Schweizer HĂ€nde gehören, dafĂŒr interessieren könnte, meine Forschungen spĂ€ter fortzufĂŒhren, so wĂŒrde ich mich sehr freuen, wenn er mit mir in Kontakt treten wĂŒrde.

Hier noch die Postadresse: 
Dietmar Große 
Luxemburger Str. 8 
D-35781 Weilburg

Mailadresse des Autors kann bei Philaworld, unter contact bestellt werden.

AnhÀnge / Exel Listen

Anhnag Titel Link
A1 Fingerhut ohne Beleg [1]
A2 Neue FH [2]
B AW 104 - Strubel Sitz.Helv. (Zahlen) [3]
F1 Verwendungszeiten der FH-Stempel [4]
F2 Typen - FrĂŒh-+SpĂ€tdaten [5]
F3 FrĂŒhdaten Typ 7 auf SH [6]
F4 außergewöhnliche Zeiten [7]
G1 FH auf Rayon [8]
G2 FH auf seltene Wertstufen (SH) [9]
G3 FH auf Wertziffer [10]
G4 FH auf Stehende Helvetia [11]
G5 FH auf Porto-Marken [12]
G6 FH auf Telegraphen-Marken [13]
G7 FH auf sonstige Ausgaben [14]
G8 FH auf auslÀndischen Marken [15]
K Halbierungen mit FH [16]
L Mischfrankaturen Strubel+Sitz.Helvetia [17]
M Typenaufstellung 1-11 [18]
N1 TypenĂŒberschneidungen [19]
N2 Gebrauch versch. Typen [20]
O1 Frankaturbesonderheiten [21]
O2 besond.Stempelkombinationen [22]
P FH auf bes. postalischen Dokumenten [23]
R1 FH auf bes. postalischen Dokumenten [24]
R2 private Auslandskorrespondenzen [25]